Hintergrund

Wärmewende bei Heizungen ausgebremst – Regierung verpasst Ausfahrt zur Klimawende

Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Umweltbundesamts hat sich erneut ein großer Teil der Befragten für mehr Klimaschutz ausgesprochen. Dabei trat aber auch zutage, dass die Bevölkerung in erster Linie die Regierung und Industrie in der Pflicht sieht, die Verbraucher selbst von Verzicht und Verboten aber wenig wissen wollen. Damit wurde einer der Hürden und Widersprüche auf dem Weg zur Klimawende und zur Klimaneutralität sichtbar. Denn fehlende Eigenverantwortung ist einer der Gründe, weshalb wir bei diesem Thema nicht weiterkommen und Deutschland die selbstgesteckten und im Klimaschutzgesetz festgelegten Klimaschutzziele bis 2030 wahrscheinlich verpassen werden. Und erst recht sind wir nicht auf Kurs hinsichtlich des globalen 1,5-Grad-Ziels, das eine radikale Absenkung der Treibhausgasemissionen in den nächsten zehn Jahre bedeuten würde, denn dafür geht die Emissionsminderung in Deutschland viel zu langsam. Wir müssten etwa um den Faktor drei schneller werden.

Das Heiz-Desaster

Ein weiteres unrühmliches Kapitel der nationalen Klimapolitik nach der Verwässerung des Klimaschutz-gesetzes ist das Gebäudeenergiegesetz (GEG) mit den Bestimmungen zur Heizungstechnik, die deutlich hinter den Anforderungen eines konsequenten Klimaschutzes zurückbleiben. Dies ist nicht etwa ex-klusive Auffassung von Umweltorganisationen wie Germanwatch, die kritisieren, das Gesetz reiche nicht aus, „den Gebäudesektor zum Erreichen der Klimazeile 2030, 2040 und 2045 zu bringen“. Viele Fachleute teilen die Kritik. Die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm, Sachverständige im Auftrag der Bundesregierung, meinte: „Das ist natürlich nicht das Ergebnis, das man sich eigentlich gewünscht hat“. Faktisch wurde die Wärmewende in den Heizungskellern um einige Jahre verschoben. Damit hat die Bundesregierung erneut eine Ausfahrt zur Klimawende verpasst.

Fake News und Heizmythen

Neben den oft zitierten, aber selten hinterfragten „Innovationen“ war die „Technologieoffenheit“ ein weiteres Narrativ, das diese überhitzte Heizungsdebatte prägte. Dass die Klimaschutzziele automatisch zu einem Ranking unter den marktverfügbaren Techniken führen, klimafreundliche Techniken also zu priorisieren und klimaschädigende zu verbieten waren, interessierte allenfalls am Rande. Und so wundert es auch nicht, dass Habecks erster Vorstoß, die Neuinstallation von Gasheizungen ab 2024 zu untersagen, sich als politisch nicht durchsetzbar erwies. Nicht weil Habeck dabei „mit der Brechstange“ oder „aus ideologischen Gründen“ heranging, so die vielgehörten Vorwürfe, sondern weil er die Gangart einschlug, die Klimawandel vorgibt, konform mit den Absprachen innerhalb der Koalition, die den Partnern in der Ampel anscheinend entfallen waren. Die Grünen gerieten nicht nur mit der Union in Clinch, sondern auch mit der FDP, während die SPD sich still im Hintergrund hielt. Am Ende dieser Debatte kann man nur noch einen Totalschaden bei der Reputation der Bundesregierung diagnostizieren. Aufgrund des Dauerfeuers der Opposition und anhaltender Kritik in den meisten Medien fanden noch eine Reihe weiterer Heiztechniken Eingang in Habecks Gesetzesentwurf, mit dem das Kabinett in die Sommerpause ging. Am Ende war diese Palette der zulässigen Heizungen gänzlich unideologisch und technologieoffen gestaltet, aber nicht prioritär auf Klimaschutz ausgelegt.

Das Heizhämmerchen

Der Gesetzesentwurf, auf den sich das Bundeskabinett vor der Sommerpause geeinigt hatte, lässt eine ganze Reihe unterschiedlicher Heizungen bei der Neuinstallation zu. In Neubaugebieten, nicht aber im Bestand müssen Gebäude zu 65 % aus erneuerbaren Quellen wärmeversorgt werden. Selbst wenn keine kommunale Wärmeplanung mit einem klimaneutralen Gasnetz vorliegt, können neue Gasheizungen installiert werden, wenn sie zu 65% mit Biogas oder Wasserstoff aus Tanks versorgt werden. Plant die Kommune ein klimaneutrales Gasnetz, sind auf Wasserstoff umrüstbare Gasheizungen ohnehin erlaubt. Während neue Gaskessel ursprünglich ab Anfang nächsten Jahres verboten werden sollten, bleibt ihr Einbau jetzt noch lange erlaubt, wenn sie technisch auf Wasserstoff umrüstbar sind („H2-ready“); ohnehin aber bis Ende 2023 und diese „Gnadenfrist“ nützen momentan viele Hauseigentümer aus. Die Installation einer solchen Gasheizung ist zunächst einmal billiger als beispielsweise der einer Wärmepumpe, aber der Betrieb kann den Eigentümern auf Dauer teuer zu stehen kommen. Deshalb beinhaltet das Gesetz die Pflicht, sich vor der Installation beraten zu lassen. Endgültig wird es wohl nach im Herbst beschlossen werden. Die Koalition scheint einig, aber die Union hat schon mal ihren Widerstand angekündigt, obwohl die Regierung mit dem letzten Entwurf nach allen Seiten hin Kompromisse eingegangen ist.    

Der Emissionssektor Gebäude

Der Energieverbrauch von Gebäuden setzt sich zusammen aus den Wärmeverbrauch für Heizung und Warmwasser, dem Strom für Beleuchtung, Aufzügen und Pumpen und – sicherlich zunehmend- auch dem Kühlbedarf. Gebäude verursachen während ihrer Nutzung etwa ein Drittel der deutschen Treibhausgase per anno allein durch ihre Wärmeversorgung. Hierbei sind die Emissionen aus der Herstellung der Baumaterialien und der Entsorgung noch gar betrachtet. Es gilt also, den Wärmeverbrauch zu senken, etwa durch energieeffiziente Heizungstechnik und gute Wärmedämmung der Gebäudehülle, und diesen reduzierten Bedarf dann durch klimafreundliche Energieträger abzudecken. Vor allem müssen wir schleunigst weg von der Verbrennung fossiler Energieträger, bei den Heizungen, also weg von Heizöl und Erdgas. „Dekarbonisierung“ ist bei Heiztechnik ebenso wie beim Antrieb von Fahrzeugen das Gebot der Stunde. Auch beim Verzicht auf Erdgas und Heizöl muss niemand frierend im kalten Wohnzimmer sitzen. Ähnlich wie bei der Mobilität wird der Strom als Energieträger künftig auch im Heizungskeller eine größere Rolle spielen. Gemeint sind jedoch nicht Direktheizungen mit Strom, – stromfressende Nachtspeicherheizungen sind ein Auslaufmodell, auch moderne Infrarot-heizungen stellen nur in Sonderfällen eine gute Lösung dar – , sondern Wärmepumpen (WP).

Die Wärmepumpen-Technik

Wärmepumpen entziehen einer Quelle – in der Regel ist das entweder Luft, Grundwasser oder Erdreich – die Wärme, heben sie auf ein höheres Temperaturniveau (daher der Begriff der Pumpe) und speisen sie dann in den Heizkreislauf ein oder geben sie für die Warmwasserbereitung ab.  Sie arbeiten umso effizienter, je geringer der Temperaturunterschied zwischen Quelle und Abgabestelle ist. Wenn beispielsweise genügend Grundwasser vorhanden ist, steht eine Wärmequelle mit etwa plus 12 Grad im Winter zur Verfügung, während draußen vielleicht minus 12 Grad herrschen. Die Außenluft stellt also gerade im Winter keine optimale Wärmquelle dar. Auf der anderen Seite lässt die Effizienz von Wärmepumpen auch durch Fußbodenheizungen steigern, die mit ca. 35 Grad Celsius statt der mindestens 50 Grad Celsius im Vorlauf neuer Heizkörper auskommen. Angetrieben werden die Wärmepumpen mit Strom, der idealerweise ebenfalls aus erneuerbarer Quelle stammt, etwa von der Photovoltaikanlage auf dem Dach. Denn der deutsche Strommix besteht nur zu etwa der Hälfte aus Ökostrom. Unter dem Strich können WP mit einer Kilowattstunde Strom drei bis fünf Kilowattstunden Wärme erzeugen, je nach Effizienz des Systems.   

Die Wärmepumpe ist in einigen, vor allem in den skandinavischen Ländern schon weit verbreitet und auch in Deutschland zogen die Verkaufszahlen in den letzten drei Jahren deutlich an.

Eine weltweit millionenfach bewährte Technik also. Trotzdem kam sie während des Heizungsstreits im Frühjahr 2023 ins Gerede, während die, von der FDP präferierte „innovative Technik“ der Gasheizungen, die in ferner Zukunft Wasserstoff verbrennen sollen,  gleichzeitig zum Hoffnungsträger avancierte. Heizungen mit Wasserstoff als Energieträger sind zwar technisch machbar, aber überhaupt keine realistische Option aus mehreren Gründen, zumal wenn es „grüner“, also mithilfe von Ökostrom und per Elektrolyse hergestellter Wasserstoff sein soll. Dieser „Champagner der Energiewende“ ist heute noch eine absolute Rarität und wird auch künftig für den normalen Hauseigentümer nicht erschwinglich sein. Die Fans von Wasserstoffheizungen in der FDP setzen also auf ungelegte Eier, wie auch bei den E-Fuels und schieben damit die Wärme- und Antriebswende auf die lange Bank.

Wärme aus dem Kraftwerk

Eine größere Daseinsberechtigung im Gebäudeenergiegesetz hat die Fernwärme, auch wenn dieser Wärmeträger im Allgemeinen noch weit vom Label „klimaneutral“ entfernt ist. Denn hierzulande wird Fernwärme überwiegend aus fossilen Energieträgern produziert, hinzu kommt der ebenfalls nicht klimaneutrale Restmüll als Brennstoff und erst an dritter Stelle schlagen erneuerbare Energien wie Solarwärme oder Tiefengeothermie zu Buche. Aber Wärmeversorger wollen diesen Anteil und auch die Nutzung industrieller Abwärme steigern. Und auf lange Sicht könnte auch Wasserstoff, optimalerweise grüner Wasserstoff in Heizkraftwerken zum Einsatz kommen, wenn er denn irgend-wann bezahlbar sein sollte. Auf jeden Fall sollen Heizkraftwerke wie Stahlwerke und Großbetriebe der chemischen Industrie an das geplante Wasserstoff-Leitungsnetz angeschlossen werden, womit die allerwenigsten Gebäudeeigentümer rechnen dürfen.

Die Fernwärme, die seit vielen Jahren mit einem durchschnittlichen Anteil von unter 14 % bei den Heizungen vor sich hindümpelt, hat also durchaus Potenzial für den Klimaschutz. Sie ist jedoch sicher nicht die Lösung für alle Fälle, denn der Bau eines Fernwärmenetzes setzt eine gewisse Gebäudedichte voraus, wie sie in ländlichen Räumen auf Dörfer und Siedlungen mit Einfamilienhäusern fehlt. Aber selbst in Großstädten mit einem hohen Anteil von Mehrfamilienhäusern sind längst nicht alle Gebäude angeschlossen, in München beispielsweise nur ein knappes Drittel. Dort kommt der Anschluss von Bestandsgebäuden mangels einer kommunalen Fernwärmesatzung selbst im bestehenden Versorgungsgebiet nur zäh voran.

Wärmenetze

Einige Stadtviertel in München hängen noch am Dampfnetz, die Umstellung auf das mit weniger verlustbehaftete Heißwassersystem ist geplant, wird noch einige Jahre beanspruchen. Weil mit den Temperaturen auch die Wärmeverluste sinken, macht eine Temperatur-Absenkung im Netz viel Sinn. Selbst beim Heißwassernetz passt das Temperaturniveau von 80 – 120 Grad Celsius für manche Industrieunternehmen, für Wohngebäude ist aber tendenziell zu hoch. Vor allem bei Neubauten genügen maximal 70 Grad Celsius im Heizungsvorlauf, auch zur Warmwasserhygiene und bei Fußbo-denheizungen reichen sogar 30 – 40  Grad Celsius. Durch Senkung der Temperaturen in Fern- und Nahwärmenetzen bis hin zur „kalten“ Fernwärme könnten also durchaus Energie und CO2 eingespart werden.

Niedrigtemperaturnetze mit Wärme aus Solarkollektoren, industrieller Abwärme oder Tiefengeothermie sind also ein Lösungsansatz. Sie erfordern allerdings neue bzw. zusätzliche Infrastruktur. Aus Praxisbeispielen lässt sich ersehen, wie es geht. In Deutschland speisen mittlerweile 49 große Solarthermie-Anlagen in Fernwärmenetze ein. In Frankfurt-Gallusviertel werden 1.300 Wohneinheiten größtenteils von einem Rechenzentrum beheizt. Abwasser, Grundwasser oder Erdreich bietet ein noch niedrigeres Temperaturniveaus von etwa 10 bis 20 Grad Celsius. Dieses kann aber durch Wärmepumpen so angehoben werden, dass diese „kalte Fernwärme“ nutzbar wird. Neben der recht weiten Verbreitung dieser Schweiz gibt auch in Deutschland erste Anwendungsbeispiele. So nutzt IKEA in Berlin-Lichtenberg einen Abwasserkanal energetisch. Die entzogene Wärme wir mittels einer Großwärmepumpe auf 35 Grad Celsius angehoben.     

Bislang aber wird das Gros der Fern- und Nahwärme mit Hochtemperatursystemen erzeugt, bei denen fossilen Energie eine tragende Rolle spielen. Deren CO2-Bilanz wird zwar durch Mitverbrennung von Holz in Kohlekraftwerken oder Müllverbrennung etwas besser, aber kommt an Niedrig-temperatursysteme mit Wärme aus erneuerbaren Quellen nicht heran. Insofern ist konventionell erzeugte Fernwärme, die aus einem modernen Heizkraftwerk mit einer Gas-und-Dampf-Anlage (GuD) stammt, vor allem wegen der sehr guten Ausnutzung des Energiehalts der Brennstoffe im Zuge der Kraft-Wärme-Kopplung klimafreundlicher als die Gasheizung im Keller, aber längst nicht das Optimum. Auch bei der Fernwärme muss also noch viel „dekarbonisiert“ werden. Nach Angaben des Fachverbands AGFW kann bundesweit nur ein Drittel der Fernwärme als klimaneutral gelten.  

Heizen Gaskessel bald mit Wasserstoff?

Der künftige Einsatz von Wasserstoff (H2) als Erdgasersatz hängt grundsätzlich vom Ausbau des Wasserstoffnetzes, von der Verfügbarkeit und vom Preis ab, dürfte insofern in den nächsten 10, 15 Jahren bei Gebäuden noch keine Rolle spielen, speziell was „grünen“ Wasserstoff als Energieträger angeht. Die Elektrolyse-Kapazität in Deutschland reicht aktuell gerade mal aus, um 0,3 % des Erdgases durch Wasserstoff zu ersetzen. Und der wird zur Industrie und zu Großkraftwerken strömen. Der Kraftwerkssektor wird aber wahrscheinlich zunächst den günstigeren „blauen“ Wasserstoff einsetzen, der aus Erdgas mit CO2-Abscheidung gewonnen wird.  Zudem muss das Erdgasnetz für Wasserstoff ertüchtigt werden. Das ist technisch natürlich machbar, kann aber dauern. Vorrang haben dabei sicher die Großabnehmer. Gebäudeeigentümer im weitverzweigten Erdgas-Verteilnetz dürfen sich da wenig Hoffnung machen. Weiteres Manko: Bei der Rückverstromung von mit Elektrolyse erzeugten Wasserstoff bleibt sehr viel Energie auf der Strecke. Ob grau, blau oder grün, bei Hausheizungen wird Wasserstoff auf absehbare Zeit kaum eine Rolle spielen, da aufgrund der Nachfrage von Großverbrauchern, der langen Herstellungskette oder des Transportwegs (bei Importen) auch mittelfristig keine bezahlbaren Preise für Hauseigentümer zu erwarten sind. Solche Marktmechanismen müssten eigentlich bekannt sein, fochten aber die Befürworter dieser illusorischen Idee in der Heizungsdebatte offensichtlich nicht an.                 

Kommunale Wärmeplanung

Bei der Frage, wo welche Heizung Sinn macht, kommt die Wärmeplanung ins Spiel, die die Bundesregierung ebenfalls gesetzlich regeln will. Größere Städte ab 100.000 Einwohnern sollen demnach ab Mitte 2026 eine Wärmeplanung für das Stadtgebiet haben, kleine Städte ab Mitte 2028. Darin legt die Kommune, meist in enger Abstimmung mit dem Wärme- und Gasversorger, die künftig mit Fernwärme versorgten Bereiche fest. In diesen Vorranggebieten könnten im Zuge kommunaler Satzungen wahrscheinlich auch neue Gasheizungen ausgeschlossen werden. Der Einbau neuer Ölheizungen ist laut GEG-Entwurf wohl bereits Anfang nächsten Jahres bundesweit verboten. Das Gebäudeenergiegesetz soll eng mit dem „Gesetz zur kommunalen Wärmeplanung und Dekarbonisierung der Wärmeversorgung“ verzahnt werden. Zunächst muss eine kommunale Wärmeplanung vorliegen, bevor die Auflagen des GEG zur Heizung gelten. Diese Kopplung macht zwar grundsätzlich Sinn, schlösse aber im Grunde genommen einen früheren Ausstieg aus der Heiztechnik mit Erdgas im Neubau nicht aus. Die Regelungen im aktuellen GEG-Entwurf klingen sehr nach erfolgreicher Lobbyarbeit der Gas- und Wärmeversorger.

Dezentrale Heizungen

Die allermeisten Gebäude in Deutschland sind jedoch nicht an Wärmenetze angeschlossen, sondern werden durch „dezentrale“ Wärmerzeuger in den Gebäuden, sprich: Heizkessel versorgt. Etwa 90 % von den 21,3 Millionen Wärmeerzeugern in Deutschland verfeuern Heizöl oder Erdgas als Brennstoff. Deutschland heizt also überwiegend fossil. Diese 14 Mio. Gaskessel und 5,2 Mio. Ölkessel sind jedoch nicht kompatibel mit den Klimaschutzzielen und müssen baldmöglichst durch klimafreundlichere Alternativen ersetzt werden. Diese schlichte Tatsache ging im Kampfgetöse um „Habecks Heizhammer“ unter.  Schon bisher mussten Gas- und Ölkessel nach 30 Jahren ausgetauscht werden. 2024 werden 3,2 Mio. 30 Jahre oder älter sein. Viele davon müssen in den nächsten Jahren ersetzt werden.  Als Alternative zu dieser klimaschädlichen Technik haben sich vor allem Wärmepumpen mit der Wärmequelle Luft plus Photovoltaikanlage auf dem Dach etabliert. Außerdem ist bei den Einzelheizungen mit Wärmpumpe das Potenzial der möglichen Wärmequellen Grundwasser und Erdreich längst noch nicht ausgeschöpft. Die Sonne könnte auch für die Warmwasserbereitung und Beheizung eine größere Rolle als bisher spielen, nämlich durch die altbekannte Technik der Solarthermie. Solarkollektoren können den Warmwasserbedarf eines Einfamilienhauses zur Hälfte abdecken und ganzjährig etwa 15 bis 20 Prozent zur Heizung beitragen (bei Niedrigstenergiehäusern mehr).

2022 wurden noch 600.000 neue Erdgasheizungen eingebaut, fast dreimal mehr als Wärmepumpen. „Wenn diese Zahl wegen der beschworenen Technologieoffenheit nicht schnell sinkt, bedeutet das eine unnötige Hypothek für den Klimaschutz“, so Joachim Wille vom Klimareporter. Denn die Gaskessel haben eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren. Nachdem sich die Bundesregierung bei der Wärme-wende Zeit lässt, kommt es sehr auf die Motivation der Hauseigentürmer zum Kesseltausch an. Da werden die Anschaffungskosten des Wärmeerzeugers, der Preis der Brennstoffe, die steigenden CO2-Preise und die Förderangebote des Bundes eine wichtige Rolle spielen. Aktuell sind rekordverdächtige Fördersätze von bis zu 70 % der Anschaffung angekündigt. Sonst hätten Wärmepumpen, die das Drei- bis Vierfache von Gaskesseln kosten, auch kaum eine Chance auf dem Markt.

Holz – zum Verheizen zu schade

Auch Biomasseheizungen sind laut GEG-Entwurf auch künftig zulässig. Momentan werden mehr als Million Haushalte mit Holz beheizt. Aber Holz dient dem Klimaschutz nur dann, wenn das darin gespeicherte CO2 möglichst lange der Atmosphäre entzogen bleibt, zum Beispiel im Bau- oder Möbelholz, nicht aber im Fall der Verbrennung von Holzscheiten, Hackschnitzel oder Pellets. Dement-sprechend können Holzheizungen längst nicht mehr als klimafreundliche Alternativen zu Erdgas, Heizöl oder Kohle gelten. Das Gleiche gilt für das ebenfalls zulässige Biogas, sofern es nicht aus Reststoffen gewonnen wird, sondern aus Mais oder anderen speziell zu diesem Zweck kultivierten Pflanzen. Fachleute weisen beim Biogas auf die Konkurrenz zu Nahrungs- bzw. Futtermitteln und auf den hohen Flächenverbrauch hin. So sei die solare Energieausbeute einer Photovoltaikanlage pro Quadratmeter etwa zehnmal so hoch als bei der Verwertung von Pflanzen zur Biogasproduktion auf gleicher Fläche.     

Auf die Dämmung kommt es an

Die zweite Stellschraube zur Senkung der CO2-Emissionen im Gebäudesektor ist der Wärmeschutz der Außenhülle, also der Wärmedämmung von Bodenplatte, Dach, Außenwänden und Fenstern, die ebenfalls möglichst wenig Wärme entweichen lassen. Der energetische Gebäudestandard hat sich in den letzten Jahren zwar fortentwickelt, aber nicht in der für die Klimaschutzziele erforderlichen Geschwindigkeit.  Die zuständige Bundesministerin Klara Geywitz (SPD) bremst schon mal die Erwart-ungen auf einen großen Fortschritt bei künftigen GEG-Novellen. Eigentlich sollte ab 2025 der KfW Effizienzhaus 40 Standard als Mindestanforderung für Neubauten gelten. Das ist nun fraglich. Dabei zeigen Städte wie München oder Frankfurt, die KfW EH 40 für städtische Wohnungsunternehmen und bei städtischen Gebäuden im Neubau verlangen, Frankfurt sogar den Passivhausstandard, dass man diese Messelatte auf Bundesebene durchaus anlegen könnte. Entscheidender noch als der Neubau ist aber das unzureichende Tempo bei Gebäudesanierungen. Die Sanierungsrate von etwa 1 % pro Jahr müsste auf etwa 3 % steigen. Davon ist Deutschland weit entfernt, aktuell geht die Zahl der Förderanträge – ein Indiz für das Baugeschehen bei der Sanierung – deutlich zurück. Insofern ist völlig unklar, wie Geywitz in den nächsten Jahren die im Klimaschutzgesetz enthaltene Obergrenze für CO2 einhalten will, nachdem der Gebäudesektor die 2022 und 2021 überschritten hatte. Zumal ja noch 400.000 Wohnungen hinzukommen sollen.  (rk)             

Quellen:

„Abwasser heizt die Wohnung“, Neue Energie, 07/2023

„Neues Gebäudeenergiegesetz. Das Heizhämmerchen“, Joachim Wille, klimareporter.de, 03.07.2023

„Verbrennst du noch oder heizt du schon?“, Der Spiegel, 04.03.2023

„Das passiert jetzt in deutschen Heizungskellern“, Bauchmüller/Salavati, Süddeutsche Zeitung, 16.06.2023

„Achtung, mein Baum fällt“, Lea Kramer, Süddeutsche Zeitung, 12/13.11.2022

„Das muss sich erstmal leisten können“, Andreas Jalsovec, Süddeutsche Zeitung, 01.03.2023

„Gebäudeenergiegesetz. Aus für Gas verschoben“, Der Gebäudeenergieberater, 13.06.2023

„Klimaschutzziele könnten verfehlt werden“, www.tagesschau.de, 01.07.2023