Klimachronik

Klimachronik Februar 2024

1. Nach einer Untersuchung von ZSW/BDEW wurde der deutsche Bruttostromverbrauch des Jahres 2023 zu knapp 52 % aus erneuerbaren Quellen gedeckt, 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Speziell die Energiewirtschaft hat 2023 rund 18 % weniger Treibhausgase incl. CO2 als Vorjahr emittiert (trotz Abschaltung der drei letzten AKW).

2. Die Bundesregierung einigt sich auf Strategie zum Ausbau wasserstofffähiger Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 10 Gigawatt (GW). Dafür werden staatliche Fördermittel in Höhe von 16 Mrd. Euro auf den Zeitraum von 20 Jahren zur Verfügung gestellt. Das Vorhaben soll noch mit der EU-Kommission abgestimmt werden.

3.  Aufgrund einer wochenlangen Dürre und ausbleibendem Regen in Katalonien/Spanien wird dort der Dürrenotstand für 202 Gemeinden, darunter Barcelona, ausgerufen.  Alle Bürger in den betroffenen Gebieten dürfen pro Tag maximal 200 Liter Wasser verbrauchen. Private Gärten und öffentliche Parks dürfen nur mit wiederaufbereitetem Wasser bewässert werden. Auch die Landwirtschaft ist hart betroffen von diesen Einschränkungen. Der Regionalpräsident spricht von der schlimmsten Dürre seit mehr als 100 Jahren. Die Stauseen sind nur noch zu knapp 16 % mit Wasser gefüllt.

4. In Sambia sterben bis Anfang Februar fast 600 Menschen an der Cholera. Ursache für den Ausbruch der Cholera sind großflächige Überschwemmungen nach Starkregen, überlastete Kanalisation, Fäkalien in den Straßen und verschmutztes Trinkwasser. Fachleute führen dieses Extremwetter auf den globalen Klimawandel zurück.

5. In der EU soll das „Recht auf Reparatur“ von Haushaltsgeräten, Weißer Ware (wie Waschmaschinen) und Handys kommen. Für reparierte Geräte gilt eine Gewährleistung von einem Jahr. Die EU-Kommission schätzt, dass durch die Maßnahmen 18,5 Mio. Tonnen Treibhausgase vermieden werden können.  

Klimachronik Januar 2024

1. In Teilen Deutschlands gibt es aufgrund langanhaltender Regenfälle großflächige Überschwemmungen an einer Reihe von Flüssen und Nebenflüssen. Vor allem Niedersachsen ist schwer betroffen, aber auch Teile von Sachsen-Anhalt, der Oberpfalz, Ober- und Unterfrankens. Feuerwehr, THW und viele freiwillige Helfer sind im Dauereinsatz, pumpen Wasser ab und verstärken die Deiche. Meteorologen weisen auf den Klimawandel hin, der zu einem Anstieg der Regenmengen im langjährigen Mittel seit dem Ende des 19. Jahrhunderts geführt habe; ein Trend, der vor allem in den drei Wintermonaten deutlich ausfällt.

2. Nach Aussage des Thinktanks Agora Energiewende sind die deutschen CO2-Emissionen im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr um ca. 10 Prozent gesunken. Die Gründe liegen im zunehmenden Anteil des Regenerativstroms, in der der schwacher Konjunktur und in Einbrüchen bei energieintensiven Industrien. Außerdem tragen die Importe von EE-Strom bzw. von Atomstrom und eine geringere Stromproduktion aus Braunkohle zu diesem Ergebnis bei. Ein dauerhafte Emissionssenkung sei allerdings nicht erwarten. Für die Emissionssektoren Verkehr und Gebäude sei eine erneute Überschreitung der im Klimaschutzgesetz fixierten CO2-Budgets zu erwarten.

3. Laut Bericht des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zeigte das vergangene Jahr 2023 mit 14,98 Grad Celsius die wärmsten Durchschnittstemperaturen auf der Oberfläche der Erde seit Beginn der Aufzeichnungen (1850); 0,17 Grad Celsius mehr als im bislang wärmsten Jahr 2016.

4. Während Finanzminister Lindner ankündigt, dass das Klimageld erst in der nächsten Legislaturperiode ab 2025 von der nächsten Regierung ausgezahlt werden könne, fordern 16 Verbände, unter anderem Caritas, Diakonie und Verbraucherzentrale, in einem offenen Brief die zeitnahe Umsetzung dieses im Koalitionsvertrag enthaltenen Vorhabens.

5. Der Zuwachs bei Elektroautos hat sich 2023 in Deutschland verlangsamt. Insgesamt wurden 524.219 E-Autos laut Kraftfahrt-Bundesamt neu zugelassen und damit 11,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Neuzulassungen bei diesen Fahrzeugen allerdings noch um 30 Prozent gestiegen. 

6. In mehreren Bundesstaaten der USA sind heftige Schneefälle und Temperaturen bis minus 26 Grad Celsius. Die Kältewelle dringt ungewöhnlich weit in den Süden vor und fordert bis 20.1.2024 bereits 50 Tote, in Tennessee allein schon 17.

7. Ende Januar kündigt die „Letzte Generation“ an, künftig auf das Festkleben auf Straßenbelag zu verzichten. Ab März werde man zu „ungehorsamen Versammlungen“ und anderen Protestformen übergehen.     

Klimachronik Dezember 2023

1. Auf der UN-Klimaschutzkonferenz COP 28 wird der von Olaf Scholz bereits 2021 angekündigte Klimaclub offiziell gegründet und kann seine Arbeit aufnehmen. 35 Länder nehmen bereits teil, auch die Europäische Union ist mit dabei. Der Klimaclub war ursprünglich gedacht für besonders ambitionierten Klimaschutz. Inzwischen ist daraus ein Gesprächsforum geworden.

2. Am dritten Tag der COP 28 gibt es Fortschritte bei der Regulierung von Methan, einem der gefährlichsten Treibhausgase – wenn auch bisher nur mit neuen Ankündigungen. Die USA stellen eine neue Regulierung des Öl- und Gassektors vor.

3. 118 Staaten haben sich auf der COP 28 gemeinsam für die Verdreifachung der Erneuerbaren und die Verdopplung der Energieeffizienz bis 2030 ausgesprochen. Im Schlussdokument auch enthalten ist das mit der 1,5 Grad-Grenze kompatible Ziel, 43 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen bis 2030 einzusparen.

4. Nach harten Ringen und einer zeitlichen Verlängerung der Konferenz konnte sich die COP 28 auch auf ein Auslaufen der fossilen Energieträger Mitte des Jahrhunderts verständigen. Ziel ist demnach der „Übergang weg von fossilen Energieträgern in den Energiesystemen“. Dafür sollen emissionsfreie und emissionsarme Technologien beschleunigt entwickelt werden, darunter erneuerbare Energien, Atomkraft, aber auch Technologien wie die Abscheidung und Speicherung von CO₂ (CCS). Den oft geforderten „Ausstieg“ aus den fossilen Energien wollten die Förderländer nicht in der Resolution sehen.

5. Laut einem Bericht von Der Spiegel (Nr. 50) wurde 2022 weltweit eine Rekordmenge der fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas und Kohle verbraucht. Auch die Treibhausgas-Emissionen haben einen neuen Höchststand erreicht.

6. Gleichzeitig erwirtschafteten die fünf größten westlichen Gas- und Ölkonzerne letztes Jahr einen Gewinn von 200 Mrd. US-Dollar. Sie investierten weit überwiegend wieder in fossile Energien. Nur etwa ein Zehntel dieser Summe floss in klimaschonende Projekte wie Solar- und Windparks.

7. Die Finanzierung des Klima- und Transformationsfonds (KTF) mit einem Volumen von 60 Mrd. Euro über neue Schulden bzw. Sondervermögen außerhalb des regulären Haushalts ist laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidrig. Die Bundesregierung sucht einen Teil der Maßnahmen und Projekte über einen Nachtraghaushalt zu sichern, andere entfallen, wie die Bezuschussung von E-Autos. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung würde der komplette Wegfall einen Verlust von bis zu 600.000 Arbeitsplätzen bedeuten.

8. Seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes war die Durchschnittstemperatur in Deutschland und weltweit noch nie so hoch wie im Jahr 2023       

Klimachronik November 2023

1. Die australische Regierung bereit, die 11.200 Bewohner der von Überflutung bedrohten Inselgruppe Tavalu aufzunehmen. Tuvalu besteht aus neun niedrig gelegenen Inseln im Pazifik. Der höchste Punkt der Inseln liegt nur etwa fünf Meter über dem Meeresspiegel. Angesichts des steigenden Meeresspiegels ist das Land stark von der Erderwärmung bedroht.

2. Ein geplantes EU-Naturschutzgesetz soll die EU-Mitgliedsstaaten darauf verpflichten, bis 2030 Maßnahmen zu ergreifen, um die Natur auf 20 Prozent der EU-Landesflächen (Wälder, Moore etc.) und im Meer wiederherstellen.

3. Bund, Länder und Kommunen müssen künftig Pläne zur Anpassung an Folgen der Erderwärmung ausarbeiten. Ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz schreibt Bund, Ländern und Kommunen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und Berichtspflichten vor. Um Schäden an der Infrastruktur und negative Folgen für die Bevölkerung zu verhindern, müssen die Kommunen Vorsorge für Starkregen, Hitze oder Dürre treffen. In Städten kann das beispielsweise bedeuten, dass Flächen entsiegelt, Bäume gepflanzt oder Fassaden begrünt werden.

Klimachronik Oktober 2023

1. Bulgarien hat den Ausstieg aus der Kohle beschlossen, um sich 2,2 Milliarden Euro EU-Hilfen zu sichern. In den Kohleregionen gibt es Straßenblockaden und Proteste dagegen. Die Demonstranten fordern die Rücknahme der Entscheidung. Tagesschau

2. Eine globale Bestandsaufnahme des internationalen Netzwerks UNFCCC fasst den Stand der Bemühungen um Klimaschutz und Minderung der Treibhausgase im Hinblick auf die geplante UN-Klimakonferenz COP 28 im Dezember zusammen. Aktuell würden etwa 40 Gigatonnen (Gt) emittiert. Diese Menge müsse bis 2030 fast halbiert werden, aber nur etwa knapp die Hälfte der notwendigen Reduktion sei mit den gegenwärtigen Maßnahmen realistisch. Deshalb sei das 1,5 Grad Ziel kaum noch zu erreichen. Der Peak der Emissionen müsse 2025 überschritten werden, der Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2030 verdreifacht werden.

3. Die Bayerische Versicherungskammer beziffert die Schäden des Hagelsturms „Denis“, der am 26. August Bad Bayersoien verwüstete und in weniger als einer halben Stunde 384 Häuser und 4.500 Fahrzeuge beschädigte, davon die meisten bis zur Schrottreife, auf 170 Mio. Euro.

4. Der Niederländer und frühere Ölmanager Wopke Hoekstra wird zum Klimakommissar der EU ernannt.