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Die COP28: Erfolg oder Flop?

In der langen Reihe von inzwischen 28 UN-Klimaschutzkonferenzen gibt es leider wenig Highlights. Als solches zu benennen wäre die COP15 in Paris mit der gemeinsamen Zielsetzung, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius, maximal aber auf 2 Grad zu begrenzen. Die letzte Veranstaltung in dieser Reihe, die COP28 in Dubai, stand schon aufgrund der Präsidentschaft von Al Jaber, dem Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate und CEO eines großen Ölkonzerns, unter keinem guten Stern. Erschwerend hinzu kamen die Kriege in der Ukraine und Israel hinzu, die nach der Flaute während der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Erdöl und Erdgas weltweit anheizten.

Obwohl längst klar ist, dass schnell Schluss sein muss mit der Förderung und Verbrennung fossiler Energieträger fuhren die großen Ölkonzerne letzte Jahr Milliardengewinne ein. Die Anteilseigner der fünf größten börsennotierten Ölunternehmen der Welt – BP, Shell, Chevron, ExxonMobil und TotalEnergies – können für 2023 mit 100 Milliarden US-Dollar (90 Milliarden Euro) Dividende rechnen. Das entspricht zufällig der den Entwicklungsländern schon lange zugesagten Summe an internationaler Hilfe für Klimaschäden. Nach Spiegel-Recherche haben sechzig Banken zwischen 2016 und 2022 mit rund 1,8 Billionen Dollar (umgerechnet rund 1,7 Billionen Euro) internationale Kohle-, Öl- und Gaskonzerne finanziert. Der überwiegende Teil davon waren Kredite zur Förderung fossiler Rohstoffe.

Während UN-Generalsekretär Antonio Guterres auf der COP28 die Vertreter von fast 200 Staaten wieder einmal beschwört („Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens“), während die CO2-Konzentration in der Atmosphäre die neue Rekordhöhe von 420 ppm erreicht, entschwindet das 1,5-Grad-Ziel. Indes wollen viele Politiker und Bürger gerne glauben, die Welt hätte noch Zeit für den Ausstieg aus fossilen Energien, idealerweise bis Mitte des Jahrhunderts, aber davon kann natürlich gar keine Rede sein, Förderung und Verbrauch müssen sofort radikal heruntergefahren werden. Bei den 1,5 Grad Celsius als Maximum der Erderwärmung geht es um Jahre, nicht um Jahrzehnte. Aber auch die Deutschen setzen weiter auf die Fossilen, beim Kauf von Gasheizungen oder Autos mit Verbrennungsmotor. Und diese Neuanschaffungen werden rund 20 Jahre im Einsatz sein. Das wissen Förderländer, Investoren und Ölkonzerne. Diese Tatsache sichert den Absatz der fossilen Brennstoffe und Kraftstoffe auf lange Zeit. Und so musste schon als Erfolg verbucht werden, dass die COP28 erstmals in einem Abschluss-dokument der Weltklimakonferenz die grundsätzliche Abkehr von fossilen Energieträgern beschloss, wobei der Ausstieg nicht terminiert werden konnte.

Genau dagegen hatten sich nämlich 22 erdölexportierende Staaten noch während der Konferenz ausgesprochen. Vor dem Hintergrund des Marktgeschehens (siehe oben) darf ohnehin skeptisch sein, ob der Ausstieg in den nächsten 20 bis 30 Jahren gelingen kann, obwohl auf vielen Anwendungsfeldern alternative, fossilfreie Techniken zur Verfügung stehen. Wie erwähnt, begibt sich die Weltwirtschaft derzeit weiter in fossile Abhängigkeiten. Die Nachricht, dass die nächste UN-Klimaschutzkonferenz COP29 Ende des Jahres erneut von einem Ölförderland, nämlich Kasachstan, ausgerichtet wird, stimmt natürlich auch nicht gerade optimistisch.  (rk)

24.01.2024, www.klimaseite.info

Quellenhinweis: Susanne Götze, SPIEGEL Klimabericht, 03.11.2023

Der IPCC-Synthesebericht: Fakten und Prognosen zum Klimawandel

Die mittlere Erderwärmung gegenüber vorindustrieller Zeit beträgt laut dem jüngst veröffentlichten Synthesebericht des Weltklimarats IPCC 1,1 Grad. Die World Meteorogical Organization WMO gibt auf seiner Website eine Temperaturerhöhung von 1,14 Grad Celsius im 10-Jahres-Durchschnitt für den Zeitraum 2013-2022 gegenüber im Vergleich zur vorindustriellen Basislinie von 1850-1900 an. Beide Werte weisen ein Plus/Minus hinter dem Komma auf, aber wesentlicher als diese Unschärfe beim Anstieg der globalen Mitteltemperatur sind die großen Unterschiede zwischen den Ländern je nach Breitengrad. Während für Deutschland bereits plus 1,7 Grad Celsius zu Buche schlagen sind weiter nördlich bis zu plus drei Grad.

  • Nach derzeitigem Trend, mit den aktuellen Aktivitätsniveau der Staaten, ist laut Weltklimarat eine Erderwärmung von 3,2 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts zu erwarten.
  • Bereits bei 3 Grad Celsius Temperaturanstieg ist unter anderem eine Verdoppelung bis Verdreifachung der hitzebedingten Todesfälle in Europa zu befürchten.
  • Selbst wenn international alle Zusagen eingehalten würden (und danach schaut es nicht aus), muss man mit einer Erderwärmung von 2,5 Grad rechnen.  
  • Der Meeresspiegel steigt immer schneller; die Geschwindigkeit hat sich seit 1900 durch die Erderwärmung auf 3,7 mm pro Jahr verdreifacht.
  • Bereits bei 2 Grad Erderwärmung wird in Südeuropa ein Drittel der Bevölkerung von Trinkwasserknappheit betroffen sein. Auch die Landwirtschaft und Gartenbau wird darunter leiden.
  • Bei einem Temperaturanstieg über 3 Grad Celsius würden sich die Schäden durch Küstenüberflutung bis Ende des Jahrhunderts mindestens verzehnfachen.
  • Ökosysteme wie Regenwälder, Feuchtgebiete und Korallenriffe können sich vermutlich nicht schnell genug anpassen und drohen zu verschwinden. 

Das Gros der durchgerechneten Klimaszenarien ergibt eine mittlere Erderwärmung zwischen 1,8 und 3,9 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts. Das heißt, der Temperaturanstieg wird mit großer Wahrscheinlichkeit innerhalb dieser Spannen liegen. Heißt auch: Das 1,5 -Grad-Ziel von Paris kann wahrscheinlich nicht erreicht werden. Dafür müssten die globalen Treibhausgase schon bis 2030 um 45 % reduziert werden, bis 2035 um zwei Drittel bis zur Mitte des Jahrhunderts um 100 %. Das sind die Notwendigkeiten, über die Politik global und in Deutschland gerne hinwegsieht. Der IPCC moniert außerdem, dass immer noch mehr Geld in fossile Energie und fossile Infrastruktur fließt als in Klimaschutzmaßnahmen.

Der Weltklimarat wurde 1988 von der World Metereological Organization WMO und der UN-Umwelt-organisation UNEP gegründet, fasst regelmäßig die wissenschaftlichen Kenntnisse über den Klima-wandel in Berichten zusammen, die unter anderem auch als Grundlage für die UN-Klimakonferenzen dienen. Der nächste, der 7. Bericht Assessment Report wird in Teilberichten voraussichtlich ab 2027 erscheinen. (rk)

Quellen: „Bangen um das 1,5 Grad-Ziel“, Christoph von Eichhorn, Süddeutsche Zeitung, 21.03.2023